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Die vielen Gesichter des Long Covid-Syndroms

Endlich überstanden – Jeder, der an Covid-19 erkrankt, wünscht sich vollkommene Genesung. Etwa 10 -14 % der Erkrankten entwickeln ein Long Covid-Syndrom, dessen Ursachen noch nicht geklärt sind. Erschöpfung, Müdigkeit, Schmerzen und Atemnot zählen zu den häufigsten der 200 gelisteten Symptome. Behandelt wird ganzheitlich, individuell und symptomorientiert.

Mitte Februar 2022 verzeichnete allein die ÖGK rund 15.000 Krankenstände aufgrund von „Long Covid“. Dazu kommen alle Coronakranken, die nicht bei der Gesundheitskasse versichert sind, sowie nicht Berufstätige und viele Menschen, die zwar an Folgen von Covid-19 laborieren, aber nicht als Long Covid-Patient diagnostiziert sind.

Definiert ist Long Covid durch das Vorhandensein von Symptomen über 4 Wochen nach Erkrankungsbeginn. Betroffen sind Menschen mit einem asymptomatischen oder leichten Verlauf ohne Spitalsbehandlung genauso wie solche, die schwer erkrankt oder intensivpflichtig waren. Vom Post Covid Syndrom spricht man, wenn Symptome 12 Wochen nach Erkrankungsbeginn anhalten oder neu auftreten und nicht durch andere Ursachen erklärbar sind.

Rund ein Drittel der Long-Covid-Patienten gibt ein bis zwei Symptome an, mehr als die Hälfte klagt über mehr als drei. Eine aktuelle dänische Umfrage ergab sogar, dass beinahe ein Drittel der Menschen mindestens ein anhaltendes Symptom zwischen 6 -12 Monaten nach der Coronavirusinfektion anführte. 

Individuell und symptomorientiert behandeln

Derzeit gibt es keine evidenzbasierten Therapieempfehlungen für Long Covid. Die Patientinnen und Patienten werden im Gesundheitszentrum Haslach multimodal und multiprofessionell je nach Symptomatik behandelt und begleitet, da eine ursächliche Therapie nicht möglich ist.

Long Covid ist ein multifaktorielles Geschehen. Als Ursachen werden verschiedene Mechanismen diskutiert, wie zum Beispiel langandauernde Gewebeschäden, der Verbleib von Viren oder Virusbestandteilen im Organismus oder Hyper- bzw. Autoinflammation.

Der Hausarzt/die Hausärztin ist erste Anlaufstelle für Betroffene. Er/sie kennt deren psycho-sozialen Hintergrund sowie allfällige Vorerkrankungen und ist eine Vertrauensperson. Das sind optimale Voraussetzungen um gemeinsam mit dem Patienten, je nach Beschwerden und Leidensdruck einen individuellen Behandlungsplan auszuarbeiten. Menschen jeder Altersgruppe, vor allem aber Patienten jüngeren bis mittleren Alters, kommen mit Long Covid-Symptomen in die Ordination. Der Hausarzt/die Hausärztin organisiert, begleitet und kontrolliert die Behandlung. Zuerst wird untersucht, ob andere Ursachen für die Symptome in Frage kommen oder ob es sich um eine Verschlimmerung einer Grunderkrankung handelt. Falls notwendig wird eine weitere Abklärung bei einem Facharzt oder eine stationäre Reha empfohlen.

Häufig genannte Long-Covid-Symptome:

  • Atembeschwerden, Husten, Luftnot
  • Erschöpfung und Müdigkeit bis zum Fatigue Syndrom
  • Kopf-, Muskel- und Gelenksschmerzen
  • Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme (=Brain Fog)
  • Schwindel
  • Nervenstörungen
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Depression und Angstzustände
  • Schlafstörungen
  • Hautprobleme

Die Prognose ist eine sehr unterschiedliche und reicht von völliger Genesung bis zu einer lang anhaltenden Beeinträchtigung. Wichtig ist, dass sich die Patienten ernst genommen und verstanden fühlen und dass sie personenzentriert begleitet werden. Es ist zu hoffen, dass die Pathomechanismen, die dem Long Covid-Syndrom zugrunde liegen, bald erforscht und damit in absehbarer Zeit eine kausale Therapie möglich wird.

 

Foto: freepik

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