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Wunden, Sturz, Verbrennung – Erste Hilfe bei Verletzungen der Kinder

Rund zwei Drittel aller Unfälle von Kindern passieren im Haushalt oder auf dem Spielplatz. Viele davon können verhindert werden. Richtige Erste Hilfe kann Folgeschäden vermeiden bzw. verringern. 

Alle Eltern wollen bestmögliche Sicherheit für ihre Kinder. Darum sollten sie ihre Erste Hilfe Kenntnisse auffrischen, um zu wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Außerdem sollten Wohnung und Garten so gut es geht, kindersicher gestaltet werden, denn bis zum 2. Lebensjahr werden Kleinkinder zunehmend beweglicher und gehen auf Entdeckungstour. Bis zur Schulreife haben Kinder kein vorausschauendes Gefährdungsbewusstsein. Bei Drei- bis Sechsjährigen ist der Blickwinkel nach rechts und links eingeschränkt, ihr Hörvermögen ist noch unvollständig, und auch Geschwindigkeiten können kleine Kinder noch nicht richtig einschätzen.

Vermeidbare Gefahrenquellen wie etwa Steckdosen, Fenster, Stolperfallen, Treppen, Herd, Türen, Tischkanten, Hochstuhl sichern und Kinder nicht unbeobachtet lassen. 

Häufige Unfallursachen:

  • Stürze: Wickeltisch, Hochstuhl, Hochbett, Kinderwippe, Laufwagen, Treppe, Fenster, Spielplatz, Fahrrad
  • Vergiftung: Zigaretten, Alkohol, Medikamente, 
  • Verbrühung: Herd, Bad
  • Verätzung: Reinigungsmittel
  • Stromverletzung: Steckdose
  • Sportverletzung: Schulsport, Reiten, Rodeln, Inline-Skaten, Ski- und Radfahren
  • Ertrinken: Badewanne, Swimmingpool, Teich, 
  • Verkehrsunfall: Rad, Auto 
  • Unfall in der Landwirtschaft: Geräte, Maschinen 

Häufige Verletzungen

1) Kopfverletzungen

Der Sturz auf den Kopf ist oftmals gefährlich. Von einer Beule bis zur offenen Wunde, Gehirnerschütterung und einem Schädelbruch ist alles möglich. 

Symptome für schwerere Verletzung können sein: Kopfschmerz, Erbrechen, Bewusstseinseintrübung, Schwindel, Blutung aus Nase, Ohr oder Mund, Bluterguss und Schwellung im Kopfbereich, Veränderung von Herzfrequenz und Blutdruck, Sehstörungen, getrübtes Orientierungs- und Erinnerungsvermögen. Säuglinge verhalten sich bei einer Gehirnerschütterung häufig auffallend ruhig, schlafen viel und lange. 

Erste Hilfe

  • Das Kind beruhigen und in stabile Seitenlage bringen. Schauen, dass die Atemwege nicht blockiert sind. 
  • Bei einem der angegeben Symptome umgehend Rettung oder Arzt rufen bzw. bei nur leichten Beschwerden Hausarzt aufsuchen.

2) Wunden

Schürfwunden am Knie, Ellenbogen, in Handflächen etc. sind bei Kindern eher alltäglich. 

Bei Schürf- oder einer blutenden Schnittwunde ist die richtige Wundbehandlung von großer Bedeutung, um Infektionen und Entzündungen zu verhindern. 

Erste Hilfe

  • Ruhe bewahren, das Kind trösten

• Dreckige Wunden ausspülen: Oftmals sind Wunden mit Erde oder kleinen Steinchen verschmutzt.  Die Wunde unter fließendem Leitungs- oder Mineralwasser vorsichtig auszuspülen. Partikel mit einer desinfizierten Pinzette aus der Wunde holen. 

• Desinfizieren: Verunreinigte Wunden mit Desinfektionsmittel ohne Alkohol desinfizieren. 

• Blutung stillen: Bei kleinen Platz- und Schnittwunden gilt es die Blutung zu stoppen. Dazu eine sterile Kompresse oder ein sauberes Tuch auf die Verletzung drücken und den betroffenen Körperteil des Kindes hoch lagern. 

• Verbinden: Bei einer kleinen Schnittwunde kann ein luftdurchlässiges Pflaster reichen. Blutet die Wunde stärker, sterilen Verband anlegen, wenn nötig Druckverband und ab zum Arzt. 

Eine Schürfwunde besser nicht mit Pflaster und Kompressen behandeln, da trockene Wundauflagen schnell mit der offenen Wunde verkleben. Wenn die Wunde zu groß ist, um sie an der Luft heilen zu lassen, kann man Wundheilgele oder Verbände nehmen, die die feuchte Wundheilung unterstützen.

Wichtig: Tetanusschutz prüfen.

Bei folgenden Symptomen den Arzt konsultieren:

  • fühlt sich das betroffene Körperteil taub an
  • Wenn die Wunde rot, heiß sowie geschwollen aussieht und eitriges Sekret austritt
  • Ist die Wunde sehr tief, blutet stark oder stecken große Fremdkörper drinnen. 
  • Auch bei harmlos aussehenden Tier-Bisswunden einen Arzt aufsuchen. Bisswunden sind häufig infiziert. Auch die Tollwutsituation muss überprüft werden und die Verletzung der Polizei gemeldet werden.
  • Bei Verdacht auf einen Bruch sofort Rettung rufen. Fehlstellungen von Extremitäten nicht selbständig korrigieren.

3) Verbrennungen

Verbrennungen und Verbrühungen passieren häufig. Die Haut eines Kindes ist zehnmal dünner als die eines Erwachsenen und verbrennt daher viel schneller. 

Erste Hilfe

  • Die verbrannte Stelle, etwa die Hand sofort mehrere Minuten lang unter fließendes kühles Wasser halten oder sie mit feuchtem Tuch kühlen. Keine Puder oder Salben verwenden. Bei schwerer und großflächiger Verbrennung sofort den Notarzt rufen!
  • Wenn sich das Kind heiße Flüssigkeit auf die Kleidung gegossen hat, kaltes Wasser zwischen Kleidung und Haut fließen lassen und die Kleidung erst ausziehen, wenn alles abgekühlt ist. Wasserkühlung der Haut weiterführen, bis der Schmerz nachlässt. 
  • Blasenbildende Wunden mit sterilem Verbandstuch oder Alufolie abdecken. Alternativ kann man ein sauberes Lein- oder Handtuch verwenden. Wunde vom Hausarzt begutachten lassen.
  • Kleine gerötete Hautstellen kann man etwa mit kühlendem Gel (zum Beispiel Fenistil) versorgen.

4) Verschlucken von Gegenständen/Erstickungsgefahr

Kleinkinder stecken in den Mund, was sie finden, da ist schnell eine Knopfbatterie, Bausteinchen, Münzen etc. verschluckt.

Symptome: Kind beginnt plötzlich zu husten oder zu würgen; das Gesicht läuft blau an/Atemnot, plötzlich einsetzende Atemgeräusche (wie Pfeifen, Rasseln, Keuchen), plötzliche Unfähigkeit zu sprechen.

Erste Hilfe

  • Erleidet ein Kind einen Erstickungsanfall, weil es einen Gegenstand aspiriert hat, darf man es nicht beatmen, solange sich der Fremdkörper noch in den Atemwegen befindet.  Also keine Mund-zu-Mund-Beatmung! 
  • Besteht bei Säuglingen der Verdacht auf Fremdkörperaspiration mit Atemnot, sofort Notarzt rufen und inzwischen das Kind in Bauch- und Kopf-Tieflage auf den Oberschenkel legen und mit der flachen Hand zwischen die Schulterblätter klopfen, damit der Fremdkörper ausgehustet werden kann – nachkontrollieren, ob sich der Fremdkörper im Mund befindet. Diese Maßnahmen so oft wiederholen, bis die Atmung erleichtert und/oder Notarzt da ist.
  • Ist das Kind älter als ein Jahr, sollten Eltern es mit dem Bauch auf den Schoß legen, so dass der Kopf und die Arme herunterhängen, und mit der flachen Hand mehrfach kräftig zwischen die Schulterblätter klopfen, damit der Gegenstand wieder herausgespuckt werden kann. Schauen, ob der Fremdkörper in der Mundhöhle ist und ihn entfernen. Maßnahmen fortsetzen bis Rettung/Notarzt da sind.  
  • Besteht keine akute Luftnot, das Kind sitzend ins Spital bringen oder Rettung rufen.

5) Vergiftung, Verätzung (Reinigungsmittel trinken etc.)

Zeigt ein Kind akute Vergiftungssymptome, wie Atemnot, Krämpfe oder Bewusstseinsveränderungen, sollten Eltern unverzüglich einen Notarzt oder eine Giftnotrufzentrale anrufen: Tel. 01-406 4343

6) Ertrinken

 „Kinder ertrinken still“, d.h. Kleinkinder schlagen nicht wild um sich oder schreien. Sie erstarren eher im Wasser und gehen sofort unter. Auch seichtes Wasser birgt die Gefahr des Ertrinkens. Generell sind Kinder, die noch nicht schwimmen können, bei ihrem Abwehrkampf gegen das Ertrinken nicht in der Lage, Mund und Nase über der Wasseroberfläche zu halten. Bei Kindern im Vorschulalter kommt es bei Kontakt des Gesichtes mit kaltem Wasser zum sogenannten Eintauchreflex mit Stimmritzenkrampf und in weiterer Folge einer Mangelversorgung mit Sauerstoff. 

Erste Hilfe, nachdem das Kind aus dem Wasser geborgen ist

  • Bewusstsein kontrollieren:  Das Kind laut ansprechen und berühren.
  • Wenn eine normale Atmung vorhanden ist, das Kind in stabile Seitenlage bringen. Kind beruhigen und zudecken. Wenn keine normale Atmung vorhanden ist, sofort mit der Wiederbelebung starten.

7) Stromunfall

Elektrounfälle können zu schweren und lebensbedrohlichen Situationen und lokalen Verbrennungen führen. Typische Symptome sind sichtbare Strommarken, schneller Puls, Herzrhythmusstörungen, Bewusstlosigkeitoder Bewusstseinsstörung, Muskelverkrampfung und „Festkleben an der Stromquelle“, Atemstillstand.

Erste Hilfe

  • Bekommt das Kind einen elektrischen Schlag und „klebt“ am Stromleiter fest, muss sofort die Stromzufuhr unterbrochen werden (Sicherung ausschalten, Stecker herausziehen). Kind keinesfalls anfassen, bevor die Stromzufuhr nicht unterbrochen wurde, ansonsten besteht die Gefahr, dass man selbst einen Schlag bekommt. Ist die Unterbrechung des Stromkreislaufes nicht möglich, muss mit Hilfe eines nichtleitenden Gegenstandes aus Holz (Besenstiel) Gummi oder Glas das Kabel oder Elektrogerät vom Kind getrennt werden. 
  • Nach jedem Stromunfall muss das Kind ärztlich begutachtet werden. Je nach Ausmaß sofort den Notarzt rufen.
  • Hat das Kind sein Bewusstsein verloren und atmet nicht mehr oder ist ein Herzstillstand eingetreten, muss es sofort wiederbelebt werden, während auf den Notarzt gewartet wird.
  • Ist das Kind bei Bewusstsein, sollte es mit erhöhten Beinen gelagert werden. 
  • Die Strommarken (Ein- und Austrittstelle des Stromes) 10 bis 15 Minuten mit kaltem Wasser kühlen und anschließend mit Verbandsstoff abdecken. 

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